Stranger Tastes - First Fill Bourbon Secret Speysider aus der Creatures of Cask Strength Serie

Stranger Tastes - First Fill Bourbon Secret Speysider aus der Creatures of Cask Strength Serie

Dieser Whisky wirft mehr als nur die Frage auf "aus welcher Brennerei kommt der Single Malt?" Unsere Überlegungen dazu in diesem Beitrag. 

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EIN SECRET SPEYSIDE SCOTCH MIT MEHR ALS NUR EINEM GEHEIMNIS

 

Ich muss etwas ausholen ... Also pass auf! Bei dieser Abfüllung sind einige Dinge seltsam. Zuerst - "Secret Speyside Distillery" - was kann das für eine Brennerei sein? Leider haben wir wirklich keine Möglichkeit es zu verraten, denn die Namensrechte haben wir nicht bekommen. Unser Zwischenhändler hat es uns unter vier Augen verraten, aber Spekulationen wollen wir hier nicht anheizen. So viel sei verraten, es ist eine tolle Brennerei der 1. Liga und wir sind absolut glücklich, das Fass bekommen zu haben. Einige Fässer halten wir über viele Jahre, dieses Fass haben wir allerdings „erst“ vor ca. zwei Jahren gekauft. Die Brennerei dürfen wir jedenfalls nicht verraten. Aber das ist nur eins der vielen "Secrets".

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Wirklich seltsam wird es an anderer Stelle und das ist der Grund, weshalb wir den Whisky genauso herausbringen, ohne Finish, straight wie er ist: 13 Jahre im First Fill Bourbon Barrel ... Da erwartet man doch eine Vanillebombe, süß², Karamell, Zitrus, die üblichen Noten eben. Aber warum schmeckt dieser Whisky so gar nicht typisch? Erstmal ist er dunkler, als einige unserer Sherryfass-gereiften Whiskys. Zitrusfrüchte und Noten von Zuckerwatte sind in der Nase vorhanden, also das Bourbon Fass hat seinen Beitrag geleistet. Aber nach ein paar Minuten im Glas ist da eine Maracuja-Tee-Note, die ist mir bei Bourbonfässern eher unbekannt, erinnert mich jedoch sehr an unseren Glenshiel aus dem Marsalafass. Und warum schmecken wir Noten von Nüssen, Trauben, Pflaumen und eine allgemeine Würzigkeit, daneben Kräuter satt? Klar, eine leichte Süße und süßer Honig sind dabei, aber das kommt erst beim 2. und 3. Schluck so richtig durch. Aber die Weinnoten, die zartbittere Würzigkeit, die dunkle Schokolade, das erinnert doch eher an Sherryfässer wie OlorosoFino oder so manches Weinfass. Aber wie kann das sein? Was ist hier los?
Wo es richtig seltsam wird, ist die Menge. Der Whisky kommt aus einem Barrel, normalerweise haben wir hier grob 200 Liter Volumen zum Start. Dennoch waren noch ca. 182 Liter übrig, nach ganzen 13 Jahren. Bei einem humanem Angels Share von nur 2% pro Jahr sollte man nicht meinen, dass nach 13 Jahren viel mehr als 150 Liter übrig bleiben. Die Vermutung liegt nahe, dass das Barrel im Zuge der Lagerhaltung einmal mit einem anderen Fass aufgefüllt wurde. Wenn es dabei voll gemacht wurde, dann könnte das rechnerisch vor ca. 5–6 Jahren gemacht worden sein, also weit vor unserem Kauf des Fasses. In großen Warehouses wird das manchmal aus Platzgründen getan. Es muss sich natürlich um dieselbe Brennerei handeln und der jüngste Tropfen bestimmt das Alter. Also, was ist hier passiert? Unsere Vermutung ist, hier wurden vor ein paar Jahren einige Fässer im Lagerhaus zusammen gebracht, um Platz zu schaffen. Die Vermutung ist, dass hier zum Beispiel ein Hogshead auf mehrere Bourbon Barrels verteilt wurde. Ein Hogshead wird in der Regel aus Bourbon Fässern gebaut, kann aber prinzipiell aus allen Fassarten bestehen, also könnten hier die Sherry-/Weinnoten dazugekommen sein. Aber auch das wird sich nie final aufklären lassen. Leider gehen gerade bei älteren Fässern die genauen Reife-Prozesse oft verloren. Auf der anderen Seite ist es auch spannend, denn so findet man immer wieder kleine Schätze in den Hallen, der alten Produzenten Schottlands. Wir sind jedenfalls froh wie Bolle diesen geilen Tropfen, mit so vielen Geheimnissen, zu einem super Kurs anbieten zu können. Secrets hin oder her, schmecken muss er und wir finden ihn verdammt lecker!